Mai 13, 2008

Spiele, die keinen Spass machen sollen. Oder: Wie Computerspiele die Welt retten.

Während Computerspiele eigentlich noch darum kämpfen in der Gesellschaft überhaupt als legitime Form der Unterhaltung akzeptiert zu werden, gehen Games 4 Change und die Serious Games Initiative einen Schritt weiter und stehen für alternative Computerspiele, für die Nutzung von Computerspieltechnologie um sozialen Wandel zu bewirken. Ernsthaftes Spielen? Game Design als politischer Aktivismus? Das ist kein Widerspruch, wurden die ersten Computerspiele doch aus dem Geist der Hacker geboren. Auch die Vereinten Nationen nutzen Computerspiele um politisch zu bilden und haben mit Against All Odds ein Spiel gemacht, das dich in die Situation eines Flüchtlings setzt. Wirst du im Verhör nachgeben oder deine Rechte aufgeben? Was nimmst du mit, wenn die Geheimpolizei vor der Tür steht und du fliehen musst? Lässt du Freunde und Familie zurück, um außer Landes zu kommen? Against all Odds besteht aus einer Reihe kleiner Spiele, bei denen man nicht wirklich gewinnen kann: jede Entscheidung fällt schwer. Aber Gott sei Dank ist es ja nur ein Spiel.

Was wäre wenn... du alles hinter dir lassen müsstest?

April 15, 2008

Marly is back … ;)

Nachdem einige Verständnisfragen mich doch sehr aus dem Konzept gebracht haben - so sehr, dass ich den Beitrag erstmal zur weiteren Bearbeitung gelöscht habe - setze ich meinen Machinima-Kurzfilm “Marly” jetzt doch wieder online. Unverändert.

April 8, 2008

Dürfen Sportler den Mund aufmachen…

… und dabei auch noch ihre Meinung sagen? Claudia Bokel, die Athletensprecherin des Europäischen Nationalen Olympischen Komitees (NOK), hat offenbar durchgesetzt, dass der “mündige Athlet” in die Erklärung der Generalversammlung der NOKs aufgenommen wird. In der Erklärung bekennen sich alle NOKs zu den Olympischen Spielen in Peking. Immerhin steht nun aber auch darin: “Jedem Athleten wird es im Rahmen der Regeln der Olympischen Charta möglich sein, seine Meinung vor, während und nach den Olympischen Spielen frei zu äußern.” Was freie Meinungsäußerung und was politische Demonstration ist, darüber muss laut der WAZ am Donnerstag aber anscheinend noch beraten werden.

Währenddessen formiert sich der Widerstand der Netzathleten: sie wollen mit den altbekannten, neuen Gummibändchen ein Zeichen für Menschenrechte setzen - Sport for Human Rights.

Einmal mehr Protest als modisches Accessoire … aber sicher besser als nichts zu tun. Obwohl mir da fast der Vorschlag im Forum der Netzathleten besser gefällt, die fehlende Haarpracht der tibetischen Mönche nachzuahmen: ein Olympia der kahlgeschorenen Köpfe! Allerdings sollten dann auch alle orangene Armbinden oder so tragen, um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen.

Ich frage mich, ob nicht Amnesty International oder Journalisten ohne Grenzen ganz legitim als Sponsoren auftreten könnten, um wie jeder andere Sponsor auch einfach eine “Werbebotschaft” auf die Sportler zu pappen. Dafür würde ich auf jeden Fall spenden!

Und bei dem ganzen Aufruhr um die Olympische Fackel frage ich mich noch etwas: was passiert, wenn jemand das Ding einfach klaut? Das Olympische Feuer - weg! (Vor meinem geistigen Auge sehe ich George Clooney in “Oceans Fourteen”, aber das ist eine ernste Angelegenheit, also werde ich diesen Gedanken nicht weiter verfolgen.)

Die Armbänder wird es übrigens bald über die Homepage der Netzathleten zu kaufen geben. Und vergesst nicht, beim Nolympia Blog vorbei zu schauen!

April 1, 2008

Frozen Grand Central…

Schöne neue Medienwelt - und alle machen mit! Ein Flashmob in New York. Prädikat: besonders wertvoll.

März 31, 2008

Detroit Annie…

Bei ihrem Konzert in der Carnegie Hall 2002 hat Ani di Franco ein Gedicht vorgetragen, das ich jetzt hier einfach mal wiedergeben möchte. Die Autorin, Judy Grahn, ist eine zeitgenössische amerikanische Dichterin aus dem Umfeld der Lesben- und Schwulenbewegung. Die meisten ihrer Gedichte setzen sich mit der einfachen Frau auseinander. Eines ihrer bekannteren Werke ist “A woman is talking to death”, aber Detroit Annie gehört auf jeden Fall zu den Schönsten.

Detroit Annie, hitchhiking (von Judy Grahn)

Her words pour out as if her throat were a broken
artery and her mind were cut-glass, carelessly handled.
You imagine her in a huge velvet hat with great
dangling black feathers,
but she shaves her head instead
and goes for three day midnight walks.
Sometimes she goes down to the dock and dances
off the end of it, simply to prove her belief
that people who cannot walk on water
are phonies, or dead.
When she is cruel, she is very, very
cool and when she is kind she is lavish.
Fishermen think perhaps she’s a fish, but they’re all
fools. She figured out that the only way
to keep from being frozen was to
stay in motion, and long ago converted
most of her flesh into liquid. Now when she
smells danger, she spills herself all over,
like gasoline, and lights it.
She leaves the taste of salt and iron
under your tongue, but you don’t mind.

The common woman is as common
as the reddest wine.

März 14, 2008

Der neue Slogan fürs Ruhrgebiet. Oder: auch DU bist n!

Also, jetzt reicht es. Seit dem kommunikationstechnischen Desaster, bei dem im Vorfeld der Präsentation des neuen Slogans Halbwahrheiten an die Öffentlichkeit gedrungen sind und gleich einen Sturm der Entrüstung losbrachen, hört man hier im Ruhrgebiet ja von nichts Anderem mehr. Außer vielleicht, dass Essen mit der neuen Mega-Mall endlich wieder Einkaufsstadt ist; aber irgendetwas muss die Gemüter ja beruhigen. (Dabei fällt mir ein, die Mega-Mall ist in Ordnung, aber der neue Slogan fürs Ruhrgebiet zu Englisch?)

Der Pott kocht, das muss man ihnen lassen. Ich bin fast geneigt den Rummel um “Ruhrn - TeamworkCapital” als semi-genialen Schachzug der Verantwortlichen bei Grey zu verbuchen - ganz nach dem Motto: so etwas wie schlechte PR gibt es nicht. Ein Spruch der allgemeine Zustimmung findet, hätte niemals soviel Aufmerksamkeit erregt.

Der neue Slogan fürs Ruhgebiet

Was uns Ruhris (wer hat eigentlich dieses blöde Kürzel geprägt? Lieber Herr Dopheide, können sie uns nicht einen neuen Namen machen, so als Wiedergutmachung?) wohl am meisten stört, ist dass der Slogan nicht für uns und unsere Identifikation mit dem Ruhrgebiet gemacht wurde, sondern für die große weite Welt (und da soll er auch erst morgen funktionieren, wie die WAZ berichtet). Frechheit!

Aber mal ganz ehrlich, ich mag Ruhrn! Im Logo sieht das gar nicht schlecht aus. Es ist nicht, wie es im Vorfeld hieß, die unendliche Potenz der Region - Mathematikprofessoren haben mittlerweile zur Genüge darauf hingewiesen, dass das Zeichen für unendlich die liegende acht ist. Und die “nebulöse Indifferenz” des Platzhalter-n, die den Kreativen bei Grey vorgeworfen wird, kann ich nach einigem Überlegen auch nicht mehr nachvollziehen. Es soll Vielfalt ausgedrückt werden, aber auf eine bestimmte Art von Vielfalt (wenn es so etwas denn gibt) können wir uns nicht einigen. Ein hoch n, bei dem sich jeder denken kann was er will, finde ich da für das Ruhrgebiet treffender, als den kleinsten gemeinsamen Nenner zu suchen.

So kann ich mir als Ruhri (Herr Dopheide, Hilfe!) den Slogan auch wieder aneignen, obwohl er gar nicht für mich gemacht ist. Ich bin das n! Ruhrich ist dann meine Facette des Ruhrgebiets. Ruhrdu ist dein Ruhrgebiet. Und Ruhrjunge dynamische Führungskraft aus dem Ausland ist was das Ruhrgebiet für die junge dynamische Führungskraft sein könnte, die in New York oder Sydney in einen der von Grey ersonnenen Info-Container steigt. (Ich frage mich, ob diese Container gleich versiegelt und zurück nach Duisburg geschifft werden, sobald ein armer Ahnungsloser in die Falle geht - ein schwer verständlicher Slogan als Köder … gar nicht schlecht, liebe Leute von Grey, gar nicht schlecht! Das kann man als multimediale Schnitzeljagd im ganz großem Stil aufziehen. Dann heißt es nicht mehr à la Matrix “Neo, folge dem weißen Kaninchen!”, sondern “folge dem hoch-n!”, das arme Praktikanten überall in den Städten dieser Welt auf Hauswände sprühen, oder sonstwo als Hinweise hinterlassen, für die, die nach der Wahrheit suchen! Und die letztlich dann natürlich im Container auf dem Weg nach Duisburg enden.)

Bleibt das “TeamworkCapital” … ich muss gestehen, da bin selbst ich mit meiner Weisheit am Ende. Und ich schließe mich dem Revierflaneur Manuel Heßling an: Die Alleinstellung der Gruppenarbeit, als vermeintlich konkurrenzlos selig machender Kreativfaktor, hat ihre beste Zeit doch längst gesehen. Spitzenkräfte haben sicher gerne ein Team. Unter sich. Oder liege ich da so falsch? Auf metaphorischer Ebene: warum soll jemand zum Beispiel in New York aus dem amerikanischen Traum alles, aber auch wirklich alles, mit eigener Hände Arbeit schaffen zu können, aussteigen und ins Ruhrgebiet kommen, wo er sich in ein Team eingliedern muss? Teamwork ist toll, aber verschluckt es nicht die persönliche Leistung derer die glänzen wollen?

Also, Teamwork war gestern, heute ist Netzwerk angesagt, wo jeder eigenständig, aber Teil von etwas Größerem ist! “Be one of us!” sollte die Botschaft lauten. Oder: “Wir sind schon 5 Millionen” - ach ne, das war ja der Slogan von Parship.de!?

Nun gut, auch ICH bin n, daher bin ich mal so frei mir das neue Logo - unser neues Logo!!! - anzueignen:

Mein Ruhr hoch n

Vergiss nicht, auch DU bist n! Spread the word! Eine Kampagne für die Kampagne fürs Ruhrgebiet.

März 12, 2008

Vorsicht Gesundheitsgefährdung!

skelett.jpg
© philow8011 (2006)

Was muss ich da gerade in der Süddeutschen Zeitung lesen? Nach zwei Jahren im Badezimmer: Frau wächst auf Toilettensitz fest. Da fehlen mir die Worte. Deshalb lass ich das einfach mal so stehen.

März 2, 2008

Aus dem Totenreich der TV-Serien

Ich erinnere mich an einem Familienurlaub, da war ich vielleicht sieben oder acht Jahre alt. Von unserem Fenster aus konnte man die Bucht von Malta sehen, hinter der Bergkuppe brannte es und wir beobachteten, wie Löschflugzeuge im Meer Wasser aufnahmen und dann über den Bergen versprühten. Was das mit TV-Serien zu tun hat? Nun, diese leicht apokalyptische Stimmung ist meine Entschuldigung dafür, dass den größten Eindruck in diesem Urlaub tatsächlich eine Fernsehserie gemacht hat, die ich vermutlich nicht einmal wirklich verstehen konnte, weil sie auf Englisch war. Dennoch spukte knapp 20 Jahre lang eine vage Erinnerung in meinem Kopf herum, die mich nicht losließ: aus Asche und Schutt erstehen neue Menschen auf, um für das Gute zu kämpfen. Zu pathetisch? Nein, ganz großes Kino! Oder besser ganz große, Ende-der-Achtziger-Kinderserie. Und mit freundlicher Unterstützung der Nutzer eines SciFi-Forums hab ich endlich den passenden Namen zu meiner Erinnerung: Captain Power and the Soldiers of the Future!

Worum geht es? Die Erde im Jahr 2147: die Menschen haben den Kampf gegen die Maschinen verloren. Die monströsen Bio-Dreads jagen die letzten Überlebenden um sie zu digitalisieren - ja, ihr lest richtig, digitalisieren! Aber wie das immer so ist, auch im 22. Jahrhundert gibt es noch ein kleines gallisches Dorf, das Widerstand leistet: Captain Jonathan Power (Tim Dunnighan) und seine vierköpfige Crew.

Der Clou, sie haben coole Powersuits, mit denen sie sich auf Knopfdruck in Kampfmaschinen verwandeln können. Major Matthew ‘Hawk’ Masterson (Peter McNeill) ist die menschliche Flugmaschine, Lt. Michael ‘Tank’ Ellis (Sven-Ole Thorson) die Ein-Mann-Bodentruppe, Sgt. Robert ‘Scout’ Baker (Maurice Dean Wint) der Spionage-Offizier und Cpl. Jennifer ‘Pilot’ Chase (Jessica Sheen) die Quotenfrau.

Hier der Vorspann zur Serie:

Nach 22 Folgen wurde das Science-Fiction Spektakel allerdings schon eingestellt, wahrscheinlich aufgrund der unheimlich hohen Produktionskosten (man munkelt etwas von 1 Mio. Dollar pro Episode!), dem eher schleppenden Verkauf der Actionfiguren (mit denen man sogar mit der Serie im Fernsehen interagieren und Bio-Dreads auf dem Bildschirm abschießen konnte!) und der Verfehlung der Zielgruppe. Captain Power and the Soldiers of the Future hätte eigentlich zur Prime Time laufen müssen, für Kinder war es aus Sicht der Eltern wahrscheinlich zu brutal, düster und unverständlich. Aber was für ein Verlust! Captain Power and the Soldiers of the Future hatte zum Beispiel den ersten völlig computergenerierten Charakter in einer Fernsehserie. Seine Finger mit im Spiel hatte übrigens J. Michael Stracynski, der später mit Babylon 5 eine weitere Kult-Serie schuf. Er schrieb 14 der 22 Episoden.

Heute werden immer mal wieder VHS-Kassetten der Serie auf Ebay angeboten, oder auch das Computerspiel für den C64. Versprengte Episoden finden sich auf Youtube, aber anscheinend verhallen die Fan-Rufe nach einer Dvd-Kollektion bei den Machern ungehört. Schade. Power on!

Februar 20, 2008

Obamamanie

Wir würden doch eigentlich auch gerne unsere Stimme bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl abgegeben, oder? Die Amis haben aber einfach auch die bessere Show. Mit den besseren Schauspielern. Und in Barack Obama einen Kandidaten, der tief in die Metaphernkiste amerikanischer Zivilreligion greifen kann, ohne wie ein Depp da zu stehen. Man glaubt ihm einfach. Hoffnung (in der Politik? anstelle der Politik?) ist aber auch schön. Und ansteckend. Vor allem, wenn Will.i.am von den Black Eyed Peas auch noch ein Musikvideo daraus macht. Der Text ist aus einer Rede, die Obama nach seiner Niederlage in New Hampshire gehalten hat. Hätte es 1963 schon Youtube und Co. gegeben, könnte ich jetzt sicherlich ein Video mit dem Titel “Let Freedom Ring” oder “I have a Dream” daneben stellen. So nun nur “Yes We Can”:

Aber ob sich ein Barack Obama als demokratischer Präsidentschaftskandidat gegen einen John McCain durchsetzen könnte?

Februar 18, 2008

Machinima - die andere Seite der “Killerspiele”

Killerspiele. Sie machen dumm. Sie machen aggressiv. Sie gehören verboten. Und wenn sich wissenschaftlich nicht eindeutig beweisen lässt, dass sie dumm und aggressiv machen, dann gehören sie trotzdem verboten, des guten Geschmacks wegen, wie Susanne Gaschke es einmal in Ihrer Kolumne in DIE ZEIT vertrat. Das schwelende Politikum eines Verbots von Killerspielen wurde durch die Amokläufe von Erfurt (2002) und Emsdetten (2006) immer wieder neu entfacht; es wurde sogar 2005 in den Koalitionsvertrag von SPD, CDU und CSU aufgenommen und Anfang Juni 2007 beschloss die Innenministerkonferenz ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot schnellstmöglich umzusetzen. Warum aber mit den “Killerspielen” auch Werte verteidigt werden, beschreibt Bastian Birke in einem schönen Artikel im Onlinemagazin Telepolis.

Das alles sind alte Vorwürfe an ein neues Medium. Comics und Filmen erging (und ergeht) es nicht anders. “Die Geschichte neuer Jugendmedien ist die Geschichte ihrer Anfeindungen”, schreibt Bernd Graff in der Süddeutschen. Allerdings sind Computerspiele ein digitales Medium, basierend auf einem Code von Einsen und Nullen, den findige Spiele verändern können und damit werden die Grenzen zwischen Rezipient und Produzent verwischt. In der “Killerspiel”-Debatte geht es immer darum, wie die so genannten Ego-Shooter auf die Menschen wirken, nicht wie diese andersherum auf die Computerspiele einwirken und sie spielend in etwas anderes transformieren, unvorhergesehen und unbeabsichtigt von den Machern. Eine kurze Geschichte:

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