März 2, 2008

Aus dem Totenreich der TV-Serien

Ich erinnere mich an einem Familienurlaub, da war ich vielleicht sieben oder acht Jahre alt. Von unserem Fenster aus konnte man die Bucht von Malta sehen, hinter der Bergkuppe brannte es und wir beobachteten, wie Löschflugzeuge im Meer Wasser aufnahmen und dann über den Bergen versprühten. Was das mit TV-Serien zu tun hat? Nun, diese leicht apokalyptische Stimmung ist meine Entschuldigung dafür, dass den größten Eindruck in diesem Urlaub tatsächlich eine Fernsehserie gemacht hat, die ich vermutlich nicht einmal wirklich verstehen konnte, weil sie auf Englisch war. Dennoch spukte knapp 20 Jahre lang eine vage Erinnerung in meinem Kopf herum, die mich nicht losließ: aus Asche und Schutt erstehen neue Menschen auf, um für das Gute zu kämpfen. Zu pathetisch? Nein, ganz großes Kino! Oder besser ganz große, Ende-der-Achtziger-Kinderserie. Und mit freundlicher Unterstützung der Nutzer eines SciFi-Forums hab ich endlich den passenden Namen zu meiner Erinnerung: Captain Power and the Soldiers of the Future!

Worum geht es? Die Erde im Jahr 2147: die Menschen haben den Kampf gegen die Maschinen verloren. Die monströsen Bio-Dreads jagen die letzten Überlebenden um sie zu digitalisieren - ja, ihr lest richtig, digitalisieren! Aber wie das immer so ist, auch im 22. Jahrhundert gibt es noch ein kleines gallisches Dorf, das Widerstand leistet: Captain Jonathan Power (Tim Dunnighan) und seine vierköpfige Crew.

Der Clou, sie haben coole Powersuits, mit denen sie sich auf Knopfdruck in Kampfmaschinen verwandeln können. Major Matthew ‘Hawk’ Masterson (Peter McNeill) ist die menschliche Flugmaschine, Lt. Michael ‘Tank’ Ellis (Sven-Ole Thorson) die Ein-Mann-Bodentruppe, Sgt. Robert ‘Scout’ Baker (Maurice Dean Wint) der Spionage-Offizier und Cpl. Jennifer ‘Pilot’ Chase (Jessica Sheen) die Quotenfrau.

Hier der Vorspann zur Serie:

Nach 22 Folgen wurde das Science-Fiction Spektakel allerdings schon eingestellt, wahrscheinlich aufgrund der unheimlich hohen Produktionskosten (man munkelt etwas von 1 Mio. Dollar pro Episode!), dem eher schleppenden Verkauf der Actionfiguren (mit denen man sogar mit der Serie im Fernsehen interagieren und Bio-Dreads auf dem Bildschirm abschießen konnte!) und der Verfehlung der Zielgruppe. Captain Power and the Soldiers of the Future hätte eigentlich zur Prime Time laufen müssen, für Kinder war es aus Sicht der Eltern wahrscheinlich zu brutal, düster und unverständlich. Aber was für ein Verlust! Captain Power and the Soldiers of the Future hatte zum Beispiel den ersten völlig computergenerierten Charakter in einer Fernsehserie. Seine Finger mit im Spiel hatte übrigens J. Michael Stracynski, der später mit Babylon 5 eine weitere Kult-Serie schuf. Er schrieb 14 der 22 Episoden.

Heute werden immer mal wieder VHS-Kassetten der Serie auf Ebay angeboten, oder auch das Computerspiel für den C64. Versprengte Episoden finden sich auf Youtube, aber anscheinend verhallen die Fan-Rufe nach einer Dvd-Kollektion bei den Machern ungehört. Schade. Power on!

Februar 20, 2008

Obamamanie

Wir würden doch eigentlich auch gerne unsere Stimme bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl abgegeben, oder? Die Amis haben aber einfach auch die bessere Show. Mit den besseren Schauspielern. Und in Barack Obama einen Kandidaten, der tief in die Metaphernkiste amerikanischer Zivilreligion greifen kann, ohne wie ein Depp da zu stehen. Man glaubt ihm einfach. Hoffnung (in der Politik? anstelle der Politik?) ist aber auch schön. Und ansteckend. Vor allem, wenn Will.i.am von den Black Eyed Peas auch noch ein Musikvideo daraus macht. Der Text ist aus einer Rede, die Obama nach seiner Niederlage in New Hampshire gehalten hat. Hätte es 1963 schon Youtube und Co. gegeben, könnte ich jetzt sicherlich ein Video mit dem Titel “Let Freedom Ring” oder “I have a Dream” daneben stellen. So nun nur “Yes We Can”:

Aber ob sich ein Barack Obama als demokratischer Präsidentschaftskandidat gegen einen John McCain durchsetzen könnte?

Februar 18, 2008

Machinima - die andere Seite der “Killerspiele”

Killerspiele. Sie machen dumm. Sie machen aggressiv. Sie gehören verboten. Und wenn sich wissenschaftlich nicht eindeutig beweisen lässt, dass sie dumm und aggressiv machen, dann gehören sie trotzdem verboten, des guten Geschmacks wegen, wie Susanne Gaschke es einmal in Ihrer Kolumne in DIE ZEIT vertrat. Das schwelende Politikum eines Verbots von Killerspielen wurde durch die Amokläufe von Erfurt (2002) und Emsdetten (2006) immer wieder neu entfacht; es wurde sogar 2005 in den Koalitionsvertrag von SPD, CDU und CSU aufgenommen und Anfang Juni 2007 beschloss die Innenministerkonferenz ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot schnellstmöglich umzusetzen. Warum aber mit den “Killerspielen” auch Werte verteidigt werden, beschreibt Bastian Birke in einem schönen Artikel im Onlinemagazin Telepolis.

Das alles sind alte Vorwürfe an ein neues Medium. Comics und Filmen erging (und ergeht) es nicht anders. “Die Geschichte neuer Jugendmedien ist die Geschichte ihrer Anfeindungen”, schreibt Bernd Graff in der Süddeutschen. Allerdings sind Computerspiele ein digitales Medium, basierend auf einem Code von Einsen und Nullen, den findige Spiele verändern können und damit werden die Grenzen zwischen Rezipient und Produzent verwischt. In der “Killerspiel”-Debatte geht es immer darum, wie die so genannten Ego-Shooter auf die Menschen wirken, nicht wie diese andersherum auf die Computerspiele einwirken und sie spielend in etwas anderes transformieren, unvorhergesehen und unbeabsichtigt von den Machern. Eine kurze Geschichte:

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Februar 11, 2008

A Night In Lisbon

Für den ersten Beitrag habe ich ein bisschen in meiner virtuellen Schublade gekramt. “A Night In Lisbon” ist das Drehbuch für einen Kurzfilm, das ich 2005/06 für einen Wettbewerb an der ESTC geschrieben habe. Joaquim Sapinho und Joao Milagre waren die Betreuer.

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FADE IN

1. INT. EMMA’s OLD HOME IN LISBON - TWILIGHT

EMMA, 17, a pale blond girl, walks through an old spacious apartment with huge furniture. Wide-eyed she tilts her head a little to the side as to listen to something far away. Then she moves slowly and softly over to a large desk and peaks under it. She reappears and sneaks into the corridor, tilting her head, looking from side to side. As she approaches another doorway, she bites her lips and breathes heavier. The dim room is dominated by a wardrobe. She takes a step toward it and reaches for the doorknob when suddenly the walls close in on her.

2. INT. APARTMENT IN SWEDEN - NIGHT

EMMA bolts upright from her dream. The lamp on her bedside table is still on and an open book lies on the bed. She shudders, and swings her legs over the rim. The clock on the nightstand shows 23:44. She grabs the phone from the table and calls her brother OLE.

OLE (O.S.)
Hello?
EMMA
I can’t sleep.
OLE (O.S.)
Emma. It’s late.
EMMA
Tomorrow is the reading of our father’s will.

SPLIT-SCREEN. OLE, 26, also sits on the rim of his bed. Behind him his wife is sleeping. He blinks in the light of his bedside lamp.

OLE
You still want to go there?
EMMA
You are definitely not coming?
OLE
I told you.
EMMA
SHE will be there.
OLE
Why do you care?
EMMA
Do you remember how we used to go fishing?
OLE
No Emma, I don’t.
EMMA
Grandma made the bait out of old bread.
OLE
Emma, Claire and I were already asleep.
EMMA
Oh, I’m sorry. What do you think how old she is?
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